Der führende Prognosemarkt Polymarket ist dieses Jahr zum absoluten Trendthema geworden, doch eine neue Studie von Paradigm weist darauf hin, dass das On-Chain-Volumen möglicherweise von großen Analyseplattformen doppelt erfasst wird und das tatsächliche Handelsvolumen somit überschätzt ist – und zwar um das Doppelte. Da die Bewertung und der Marktanteil von Polymarket stark von den Handelsvolumendaten abhängen, könnte dieser Befund die Finanzierungssituation stark beeinträchtigen und wirft ein Schlaglicht auf die tiefgreifenden Probleme hinsichtlich Datentransparenz und Berechnungsstandards im Prognosemarkt-Sektor.
Polymarket-Handelsvolumen wird doppelt gezählt: On-Chain-Event-Design als statistische Katastrophe
Der Paradigm-Forscher Storm stellte fest, dass für jeden Abschluss bei Polymarket zwei OrderFilled-Events auf der Chain generiert werden: Eines für den Ordersteller (maker) und eines für den Ordernehmer (taker).
Diese beiden Zahlen beschreiben jedoch dieselbe Transaktion, werden aber von führenden Dashboards wie DefiLlama, Blockworks oder Allium „aufsummiert“, was zu einer Verdopplung des Handelsvolumens führt.
Er veranschaulicht dies anhand eines konkreten Beispiels: Ein Trader kauft YES-Token für $4,13, auf der Chain erscheinen jedoch zwei OrderFilled-Einträge zu je $4,13, sodass das Dashboard $8,26 als Handelsvolumen registriert.
Er betont, dass dies nicht auf Wash-Trading zurückzuführen ist, sondern auf die redundante Struktur von Prognose-Events selbst, die Analysten leicht glauben lässt, es handle sich um zwei unabhängige Transaktionen.
Welche Daten werden durch die Doppelzählung verfälscht?
Storm weist darauf hin, dass dieser Fehler die Kennzahlen für das „nominale Handelsvolumen (notional volume)“ und das „Cashflow-Handelsvolumen (cashflow volume)“ erheblich aufbläht.
Auswirkungen der Doppelzählung auf „nominales Handelsvolumen“ und „Cashflow-Handelsvolumen“
Er betont, dass Polymarket-Handel Swap (swap)-, Split (split)- und Merge (merge)-Transaktionen umfasst, was zu einer komplexen, verschachtelten Datenstruktur führt. Herkömmliche Blockchain-Explorer können die Zusammenhänge zwischen den Events kaum erkennen, was Fehlinterpretationen durch Analysten begünstigt.
Paradigm fordert Umstellung auf Einzelseiten-Volumen als Berechnungsstandard
Paradigm erklärte in seiner Mitteilung, dass die Mainstream-Datenplattformen deshalb das tatsächliche Handelsvolumen von Polymarket überschätzen, und empfiehlt Prognosemärkten, das „einseitige Volumen (one-sided volume)“ als Messstandard zu verwenden, beispielsweise indem nur das Taker-Volumen gezählt wird.
Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass es in dem Artikel nicht um absichtliche Volumenaufblähung gehe, sondern darum, den Plattformen die Möglichkeit zu geben, Handelsvolumina wirklich vergleichbar zu machen und eine einheitliche, transparente Marktstatistik zu schaffen.
Hinzu kommt: Paradigm ist gleichzeitig Investor beim Polymarket-Konkurrenten Kalshi – die Motivation hinter der Veröffentlichung dieser Studie liegt somit ebenfalls auf der Hand.
(Prognosemarkt Polymarket rekrutiert angeblich internes Market-Making-Team, Casino und Buchmacher in einem?)
Bewertung von 15 Milliarden Dollar könnte zur Disposition stehen, Volumen als größte Unbekannte
Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass – sobald bekannt wird, dass die tatsächlichen Zahlen nur halb so hoch sind wie angenommen – Polymarkets Spitzenstellung und beeindruckende Performance in Frage gestellt werden könnten.
Im September dieses Jahres investierte die Intercontinental Exchange (ICE) bei einem kumulierten Handelsvolumen von 25 Milliarden Dollar und einer Bewertung von 9 Milliarden Dollar in Polymarket; Bloomberg berichtete Ende Oktober, dass das Unternehmen derzeit mit einer Bewertung von 12 bis 15 Milliarden Dollar auf Kapitalsuche sei.
Storm erklärt, Prognosemärkte würden rasant zu einer wichtigen Kategorie an den Finanzmärkten, und je weiter die Branche reife, desto dringlicher werde einheitliche und objektive Datenstandards, um zu verhindern, dass fehlerhafte Daten das gesamte Ökosystem narrativ beeinflussen.
Dieser Artikel Paradigm deckt auf: Polymarket-Handelsvolumen aufgebläht? Datenplattformen rechnen doppelt und zeigen Überschätzung um das Doppelte erschien zuerst bei Chainnews ABMedia.