Das US-Finanzministerium hat am 1. April 2026 eine Mitteilung zur vorgeschlagenen Rechtsvorschrift (Notice of Proposed Rulemaking) veröffentlicht, in der die Grundsätze zur Bestimmung erläutert werden, ob auf Bundesstaatenebene geltende Stablecoin-Regulierungssysteme „wesentlich ähnlich“ sind wie der vom GENIUS Act auf Bundesebene festgelegte Rahmen. Dies ermöglicht kleineren Emittenten mit weniger als $10 Milliarden an ausstehender Umlaufmenge, sich für eine staatliche Aufsicht zu entscheiden.
Der 87-seitige Vorschlag eröffnet eine 60-tägige Phase für öffentliche Kommentare und stellt die erste Regulierung dar, die das Finanzministerium zur Umsetzung des Guiding and Establishing National Innovation for US Stablecoins Act (GENIUS Act) vorschlägt. Das Gesetz wurde im Juli 2025 erlassen.
Die vorgeschlagene Regel legt breit angelegte Grundsätze fest, um zu bewerten, ob staatliche Regulierungssysteme die Anforderung des GENIUS Act an eine wesentliche Ähnlichkeit mit dem Bundesrahmen erfüllen. Nach dem Gesetz dürfen Stablecoin-Emittenten mit konsolidierter, insgesamt ausstehender Ausgabe von nicht mehr als $10 Milliarden eine Regulierung auf Bundesstaatsebene wählen, sofern das staatliche Regime die bundesweiten Standards erfüllt oder übertrifft.
Das Treasury zieht eine Unterscheidung zwischen „einheitlichen Anforderungen“ wie Reserve-Deckung und Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche (Anti-Money Laundering), bei denen bundesweite Standards erfüllt werden müssen, und „staatlich abgestimmten Anforderungen“ (state-calibrated requirements), bei denen lokale Aufsichtsbehörden einen Ermessensspielraum behalten, einschließlich Kapital- und Risikomanagement-Standards. Staatliche Rahmenwerke dürfen bundesweite Anforderungen überschreiten, solange sie nicht im Widerspruch zum Bundesrecht stehen oder die allgemeine Vergleichbarkeit untergraben.
Der Vorschlag verankert den bundesweiten Referenzmaßstab weitgehend in Regeln und Auslegungen, die vom Office of the Comptroller of the Currency veröffentlicht wurden. Dies signalisiert die zentrale Rolle der OCC bei der Beaufsichtigung von Nichtbank-Stablecoin-Emittenten, die nach Überschreiten der $10-Milliarden-Grenze in die bundesstaatliche Aufsicht übergehen. Staatliche Regime würden daran gehindert, zentrale Offenlegungsstandards zu schwächen, wobei Emittenten verpflichtet wären, Reserve-Zusammensetzungsberichte mindestens monatlich zu veröffentlichen—entsprechend den bundesweiten Häufigkeitsanforderungen.
Die NPRM markiert den ersten formalen Schritt des Treasury, den GENIUS Act in ein operatives Regulierungsregime für Zahlung-Stablecoins zu übersetzen. Die Behörde hatte zuvor im August 2025 eine Anfrage nach Stellungnahmen zu digitalen forensischen Tools und Stablecoins veröffentlicht sowie im September 2025 eine Advance Notice of Proposed Rulemaking herausgegeben, in der um breit angelegte Rückmeldungen zur Umsetzung gebeten wurde.
Top-US-Bankenaufsichtsbehörden, darunter die Federal Deposit Insurance Corporation und das Office of the Comptroller of the Currency, haben ebenfalls Mitteilungen zur vorgeschlagenen Rechtsvorschrift im Zusammenhang mit der Umsetzung des GENIUS Act veröffentlicht. Das Federal Register wird öffentliche Kommentare zu dem Vorschlag des Treasury für 60 Tage nach der Veröffentlichung annehmen.
Der GENIUS Act schuf den ersten bundesweiten Rahmen für Stablecoins und schreibt eine vollständige Reserve-Deckung, die Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche sowie regelmäßige Offenlegungen vor. Das Gesetz gilt allgemein als Legitimierung von dollarunterstützten Stablecoins, während es die geldpolitische Dominanz der USA stärkt. Die Gesetzgebung enthielt jedoch keine Leitlinien für zinsbringende Stablecoins—ein Thema, das inzwischen zu einer Wegblockade geworden ist, während der Kongress versucht, breiter angelegte Gesetzgebung zur Marktstruktur zu verabschieden, einschließlich des CLARITY Act.
Der Vorschlag stellt klar, dass Bundesrecht weiterhin die Ausgangsbasis bleibt. Dabei wird darauf hingewiesen, dass jede künftige vom Kongress verabschiedete Gesetzgebung, die Stablecoin-Emittenten betrifft, automatisch für Unternehmen gilt, die durch den Staat reguliert werden, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt ist. Die $10-Milliarden-Schwelle bestimmt, ob Emittenten unter staatlicher Aufsicht verbleiben dürfen oder in eine bundesweite Aufsicht übergehen müssen.
Namenseinschränkungen würden in beiden Rahmenwerken gelten und verhindern, dass staatlich regulierte Emittenten in der Stablecoin-Branding-Praxis verbotene Begriffe verwenden. Vom Treasury unter dem GENIUS Act herausgegebene Berichte erweitern die Aufsichtswerkzeuge, darunter Maßnahmen, die auf illegitime Finanzierung und Krypto-Mixer abzielen.
Die NPRM besagt, dass das Treasury breit angelegte Grundsätze festlegen wird, um zu bestimmen, ob ein Regulierungsregime auf Bundesstaatsebene in wesentlicher Weise dem bundesweiten regulatorischen Rahmen entspricht—wie vom GENIUS Act vorgegeben. Mitglieder der Öffentlichkeit haben 60 Tage Zeit, um nach der Veröffentlichung im Federal Register auf die NPRM des Treasury zu antworten.
Worum geht es bei dem Regel-Vorschlag des Treasury zum GENIUS Act?
Der Vorschlag legt Grundsätze zur Bestimmung fest, ob Regulierungssysteme für Stablecoins auf Bundesstaatsebene „wesentlich ähnlich“ sind wie der bundesweite Rahmen. Diese Feststellung ermöglicht kleineren Stablecoin-Emittenten mit weniger als $10 Milliarden an ausstehendem Angebot, anstelle einer vollständigen bundesweiten Aufsicht auf eine Regulierung auf Bundesstaatsebene auszuweichen.
Wie hoch ist die $10-Milliarden-Schwelle im GENIUS Act?
Stablecoin-Emittenten mit konsolidierter, insgesamt ausstehender Ausgabe von $10 Milliarden oder weniger dürfen eine Regulierung unter einem Regime auf Bundesstaatsebene wählen, wenn dieses Regime in wesentlicher Hinsicht dem bundesweiten Rahmen entspricht. Emittenten, die diese Schwelle überschreiten, müssen auf eine bundesweite Aufsicht übergehen—unter Regeln, die an Standards des Office of the Comptroller of the Currency angelehnt sind.
Wie kann die Öffentlichkeit am Regelsetzungsprozess teilnehmen?
Die Notice of Proposed Rulemaking des Treasury eröffnet nach Veröffentlichung im Federal Register eine 60-tägige Phase für öffentliche Kommentare. Interessierte Stakeholder können Kommentare zu den vorgeschlagenen Grundsätzen zur Bestimmung der wesentlichen Ähnlichkeit zwischen staatlichen und bundesweiten Regulierungsrahmen für Stablecoins einreichen.